Kindheitliche Prägungsmuster

Blog · Beziehung · 3 Min. Lesezeit

Wir sind Eltern, aber kein Paar mehr

Als Team läuft alles, als Paar ist kaum noch etwas da. Warum das fast jedem Paar mit Kindern passiert und was den Unterschied macht.

Von Fabian Schaub · 18. April 2026

Du und dein Partner, das ist ein gutes Team. Das ist keine Ironie, das ist ernst gemeint.

Es läuft. Termine, Abholzeiten, wer wann kann. Gestritten wird nicht mal viel.

Und wenn die Kinder im Bett sind, sitzt du mit deinem Partner auf demselben Sofa und redest über morgen. Oder über gar nichts.

Irgendwann fällt dir auf, dass du deinen Partner seit Monaten nicht mehr richtig angeschaut hast.

Warum das fast allen passiert

Es gibt einen einfachen Grund, und er ist nicht dein Versagen.

Ein Kind erzeugt eine gewaltige Menge an Organisation. Und Organisation frisst die Zeit, in der vorher Beziehung stattfand.

Vorher gab es Leerlauf: Abende ohne Plan, Sonntage ohne Struktur, Gespräche ohne Anlass. Genau dort passiert Nähe. Nicht bei geplanten Aktivitäten, sondern in den Lücken.

Ein Kind füllt alle Lücken. Und dann wird aus einem Paar ein Betrieb.

Der Punkt, an dem es kippt

Ein Team hat keine Nähe. Ein Team koordiniert.

Und das Tückische: Ein gut funktionierendes Team fühlt sich lange gut an. Es gibt Erfolgserlebnisse, es gibt Anerkennung, es läuft.

Deshalb fällt vielen erst nach Jahren auf, dass etwas fehlt. Meistens fällt es einem von beiden früher auf, und dann entsteht eine schiefe Lage: Einer vermisst etwas, der andere findet, dass doch alles in Ordnung ist.

Was darunter noch läuft

Es ist nicht nur Zeitmangel. Wenn es das wäre, würde ein freies Wochenende reichen.

Zwei Dinge kommen fast immer dazu.

Erschöpfung. Nähe braucht ein Minimum an Kapazität. Wer sich seit Jahren zu wenig erholt, hat nichts übrig, was er verschenken könnte. Das ist keine Frage des Wollens.

Ungesagter Ärger. Wer trägt mehr? Wer entscheidet? Wer wird mehr gesehen? Diese Fragen werden bei Paaren mit Kindern selten offen verhandelt, weil kein Zeitfenster dafür da ist. Also sammeln sie sich.

Und man kann sich nicht öffnen und gleichzeitig etwas zurückhalten. Der Körper macht das nicht mit. Warum die Lust dabei als Erstes verschwindet, steht in diesem Beitrag.

Warum Datenights oft nichts bringen

Der Standardrat lautet: einen festen Abend im Monat, Babysitter, essen gehen.

Das ist besser als nichts. Es scheitert oft daran, dass du deinem Partner dann gegenübersitzt und über die Kinder redest, weil es sonst kein gemeinsames Thema mehr gibt.

Ein Termin schafft die Gelegenheit. Er schafft keine Nähe.

Nähe entsteht durch etwas anderes: dadurch, dass einer den anderen tatsächlich wahrnimmt. Und das dauert keine drei Stunden.

Was tatsächlich hilft

Zehn Minuten ohne Organisation. Jeden Tag. Kein Kalender, keine Absprache, keine Kinder als Thema. Nur die Frage: Wie geht es dir gerade?

Das klingt lächerlich klein. Es ist mehr wert als ein Abend im Monat, weil es täglich stattfindet.

Das Ungesagte einmal sagen. Beide. Was jeder vermisst, was jeder trägt, was jeder braucht. Ohne Gegenrechnung.

Das geht schief, wenn beide erschöpft sind. Wähl dafür keinen Abend nach einem harten Tag.

Und einer muss anfangen. Meistens wartet jeder darauf, dass der andere zuerst auf ihn zugeht. Das kann Jahre dauern.

Der größere Zusammenhang

Es gibt noch eine Ebene, die selten benannt wird.

Wenn ein Kind da ist, wird ein Elternteil oft an einer alten Stelle getroffen. Man erlebt Familie noch einmal, diesmal von der anderen Seite.

Das kann sehr viel auslösen, und es passiert im selben Zeitraum, in dem sowieso wenig Kapazität da ist. Mehr dazu steht in diesem Beitrag.

Wenn du merkst, dass du mit deinem Partner zu zweit nicht weiterkommst, liegt das selten an mangelndem Willen. Es liegt meistens daran, dass beide gleichzeitig etwas Altes bearbeiten und keiner den anderen halten kann.

Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Fabian Schaub

Der Autor

Fabian Schaub

Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung. Bildet Coaches für kindheitliche Prägungsmuster aus. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte

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Oder du hältst es so lange zurück, bis es herausbricht, und hast danach ein schlechtes Gewissen. Dahinter steckt ein kindheitliches Prägungsmuster aus deinen ersten sieben Lebensjahren. In Beziehung neu lernen übst du in echten Situationen, auszusprechen, was in dir los ist, und dabei im Kontakt zu bleiben.

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