Kindheitliche Prägungsmuster

Blog · Prägung · 4 Min. Lesezeit

Am Ende datet jeder seine Mutter

Nicht die Person, sondern das, was du dort über Beziehung gelernt hast. Warum du bei jemandem landest, der dich behandelt wie damals.

Von Fabian Schaub · 13. Juli 2026

Der Satz klingt erst mal unangenehm. Bei manchen löst er sofort Widerspruch aus.

Er ist auch nicht so gemeint, wie er zuerst klingt. Es geht nicht um die Person deiner Mutter. Es geht um das, was du dort über Beziehung gelernt hast.

Und das gilt für Frauen genauso wie für Männer.

Deine erste Beziehung

Deine erste Beziehung war nicht deine erste Freundin oder dein erster Freund.

Sie beginnt vor der Geburt und wird danach dicht. In den ersten Jahren ist die Mutter meistens die Hauptfigur, nicht weil Väter unwichtig wären, sondern weil das in den allermeisten Familien so läuft.

In dieser Beziehung hast du gelernt, wie Beziehung geht. Nicht als Theorie. Als Erfahrung, die in deinen Körper gegangen ist, bevor du sprechen konntest.

Was ist Nähe? Was kostet sie? Was passiert, wenn ich etwas brauche? Darf ich anderer Meinung sein? Werde ich gesehen, wenn ich nichts leiste?

Die Antworten auf diese Fragen sind dein Maßstab geworden. Und du misst bis heute daran.

Was das im Alltag heißt

Du landest wieder bei jemandem, der dich behandelt wie damals. Obwohl du dir geschworen hast, das nie wieder zuzulassen.

Das ist der Punkt, an dem viele sagen: Aber mein Partner ist doch völlig anders als meine Mutter.

Kann sein. Es geht auch nicht um Ähnlichkeit im Charakter. Es geht um das Gefühl, das die Beziehung in dir erzeugt.

Wenn du dich bei deinem Partner immer wieder unsicher fühlst, ungesehen, zu viel oder nicht genug, dann ist das das Gefühl. Und es ist alt.

Viele Frauen sagen an dieser Stelle: Ich date doch eher meinen Vater, der war ja auch nie da. Das hört man überall, und ich sage dazu ganz klar: Du datest nicht deinen Vater. Nicht als Frau und nicht als Mann. Du datest die Art, wie du Beziehung mit deiner Mutter erlebt hast. Und genau die suchst du dir immer wieder, um sie noch einmal zu erleben.

Darüber spreche ich in Folge 5 des Podcasts: Warum ziehe ich immer die falschen Männer an?

Die Frage, an der du es merkst

Es gibt eine Frage, die erstaunlich zuverlässig funktioniert.

Frag jemanden, der immer wieder an die Falschen gerät, wie die Beziehung zu seiner Mutter ist.

Und dann achte nicht auf die Antwort, sondern auf die Reaktion.

Sehr oft kommt: Auf die habe ich gar keine Lust. Oder: Was hat das denn damit zu tun? Oder ein schnelles, freundliches: Gutes Verhältnis, alles in Ordnung, weiter im Text.

Genau das ist der Treffer. Nicht weil die Antwort falsch wäre, sondern weil die Schnelligkeit etwas verrät. Wo nichts liegt, muss nichts weggeschoben werden.

Dieselbe Frage empfehle ich dir übrigens, wenn du dir einen Coach aussuchst. Frag ihn im Erstgespräch: „Wie war es mit Ihrer Mutter?“ Wenn er wie aus der Pistole geschossen sagt, das sei immer ganz großartig gewesen, dann weißt du: Da hat er selbst noch nicht hingeschaut. Und wo er selbst nicht war, kann er dich nicht hinbegleiten.

Mehr dazu erzähle ich in Folge 13 des Podcasts: Warum bin ich so wütend auf meine Mutter?

Warum das keine Schuldzuweisung ist

Das ist mir wichtig, deshalb steht es hier ausdrücklich.

Es geht nicht darum, deiner Mutter etwas vorzuwerfen. Die meisten Eltern haben getan, was sie konnten, mit dem, was sie selbst mitbekommen haben.

Und es hilft dir auch überhaupt nicht weiter, jemandem die Schuld zu geben. Schuld verändert nichts. Sie bindet dich nur noch fester an die Geschichte.

Worum es geht, ist etwas anderes: zu sehen, was du dort gelernt hast, und zu prüfen, ob es heute noch stimmt.

Ein Kind, das gelernt hat, dass Nähe unzuverlässig ist, hatte damit damals recht. Für sein damaliges Leben war das eine richtige Schlussfolgerung. Nur gilt sie heute nicht mehr, und niemand hat sie je aktualisiert.

Wie das praktisch aussieht

Der Weg ist nicht, mit deiner Mutter zu diskutieren. Das führt in den seltensten Fällen irgendwohin.

Es geht um deine Seite. Um das, was in dir noch offen ist.

Mein Vater ist 2003 gestorben. Die Geschichte habe ich später oft erzählt, in Gruppen und auf der Bühne. Mit meiner Mutter habe ich über seinen Tod nie gesprochen. Und ich habe sehr lange gebraucht, um vor ihr überhaupt Gefühle zu zeigen.

Das Thema war nie mein Vater. Das Thema war, dass ich gelernt hatte, nichts zu zeigen.

Was danach kam, war der Punkt, an dem sich in meinen Beziehungen tatsächlich etwas verändert hat. Nicht, weil ich eine Technik gelernt hätte. Sondern weil eine alte Stelle nicht mehr zugehalten werden musste.

Wie sich so eine Wiederholung überhaupt aufbaut, steht in diesem Beitrag. Und was in den ersten Jahren im Einzelnen passiert, steht in diesem hier.

Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Fabian Schaub

Der Autor

Fabian Schaub

Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung. Bildet Coaches für kindheitliche Prägungsmuster aus. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte

Beziehung neu lernen

Du weißt, was du sagen willst. Und schluckst es trotzdem herunter.

Oder du hältst es so lange zurück, bis es herausbricht, und hast danach ein schlechtes Gewissen. Dahinter steckt ein kindheitliches Prägungsmuster aus deinen ersten sieben Lebensjahren. In Beziehung neu lernen übst du in echten Situationen, auszusprechen, was in dir los ist, und dabei im Kontakt zu bleiben.

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