Kindheitliche Prägungsmuster

Blog · Trennung · 3 Min. Lesezeit

Nach der Trennung sofort der Nächste

Kaum ist einer weg, ist der Nächste da. Warum das keine Stärke ist, was dabei übersprungen wird und wann es trotzdem in Ordnung ist.

Von Fabian Schaub · 1. Juni 2026

Es ist dir vielleicht selbst schon aufgefallen. Vielleicht hat es auch jemand gesagt, und du hast abgewinkt.

Zwischen deinen Beziehungen liegen selten mehr als ein paar Wochen. Manchmal überschneiden sie sich sogar.

Und von außen sieht das gut aus. Du kommst schnell drüber weg, du bist gefragt, du bist nicht der Typ, der monatelang trauert.

Was dabei nicht passiert

Trauer hat einen Ablauf. Sie braucht Zeit, in der nichts anderes dazwischenkommt.

Wenn sofort jemand Neues da ist, wird dieser Ablauf unterbrochen. Nicht abgekürzt. Unterbrochen.

Das fühlt sich zuerst wie Erleichterung an, weil das Schlimmste weg ist. Verliebtheit ist ein starker Zustand, der alles andere übertönt.

Nur ist die alte Sache nicht erledigt. Sie liegt weiter da, mit einer neuen Schicht darüber.

Und deshalb kommt sie irgendwann hoch, meistens dann, wenn in der neuen Beziehung die Verliebtheit nachlässt. Nach acht Monaten, nach einem Jahr. Plötzlich ist der Schmerz da, der zwei Jahre alt ist, und niemand versteht, warum.

Was das eigentlich ist

Nicht Stärke. Nicht Lebensfreude. Meistens Vermeidung.

Und zwar Vermeidung eines ganz bestimmten Zustands: allein zu sein.

Nicht Einsamkeit im Sinne von Langeweile. Sondern der Moment, in dem niemand da ist, der dich spiegelt. In dem du nur mit dir selbst in einem Raum bist.

Für Menschen, die früh gelernt haben, dass sie sich nicht auf sich selbst verlassen können, ist das ein schwer erträglicher Zustand. Und der schnellste Weg da raus ist ein anderer Mensch.

Der Preis

Du lernst nichts. Nach einer Beziehung wird sichtbar, was schiefgelaufen ist. Diese Erkenntnis braucht Ruhe. Wer sofort weitermacht, nimmt dasselbe Muster mit in die nächste Runde.

Du wählst schlechter. In den ersten Wochen nach einer Trennung ist niemand in der Verfassung, gut auszuwählen. Man wählt nach Linderung, nicht nach Passung.

Der Nächste bekommt eine Rolle, die er nicht wollte. Er soll etwas gutmachen, das jemand anders getan hat. Das merkt er, oft ohne es benennen zu können.

Woran du erkennst, dass es bei dir so läuft

Ein paar Fragen.

Wie lange warst du in den letzten zehn Jahren tatsächlich allein? Nicht Single auf dem Papier, sondern ohne jemanden, der dir wichtig war.

Fängst du an zu suchen, bevor die alte Sache zu Ende ist?

Wie fühlt sich ein Sonntagnachmittag ohne Verabredung an?

Wenn die letzte Frage bei dir Unruhe auslöst, hast du die eigentliche Antwort.

Ich kenne diese Antwort von mir selbst. Als Single war für mich der Sonntagnachmittag das Schlimmste. Alle, die in einer Beziehung waren, hatten keine Zeit, alles hatte zu, und auf einmal saß ich allein auf dem Sofa und wusste nicht, was ich mit mir anfangen sollte. Egal, wie viele Nachrichten ich rausgeschickt habe, keiner hat geantwortet.

Hätte mich jemand gefragt, hätte ich gesagt: Ich bin gestresst, genervt, unruhig. „Aber ich hätte nie gesagt: Ich fühle mich gerade tief einsam.“ Also bin ich zum Crossfit gegangen und habe mich so weit ausgepowert, bis das Gefühl weg war. Danach hatte ich Hunger, war müde, und der Sonntag war rum. Gefühlt hatte ich die Einsamkeit dabei kein einziges Mal.

Darüber spreche ich in Folge 9 des Podcasts: Ich fühle mich einsam, obwohl ich nicht allein bin

Wann es in Ordnung ist

Ich will das nicht pauschal verurteilen, denn es gibt Fälle, in denen es passt.

Manche Beziehungen sind innerlich lange vor dem offiziellen Ende beendet. Wer sich zwei Jahre lang verabschiedet hat, ist beim Auszug schon durch mit der Trauer.

Und manchmal begegnet man einfach jemandem. Das Leben hält sich nicht an Wartefristen.

Der Unterschied ist nicht die Zeit. Der Unterschied ist, ob du jemanden brauchst oder ob du jemanden willst.

Das lässt sich ehrlich prüfen: Wenn diese neue Person morgen sagen würde, es passt doch nicht, wärst du dann traurig oder in Panik?

Was du stattdessen machen kannst

Wenn du merkst, dass du das Muster hast, dann probier einmal etwas Unangenehmes aus: bleib allein, bewusst, für eine festgelegte Zeit.

Nicht als Strafe, sondern als Experiment. Drei Monate, in denen du niemanden suchst.

Was in dieser Zeit hochkommt, ist genau das, was die Beziehungen bisher zugedeckt haben. Es ist unangenehm, und es ist die eigentliche Information.

Warum die alte Sache nicht von selbst weggeht, steht in diesem Beitrag. Und warum jede Trennung an derselben Stelle wehtut, steht in diesem hier.

Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Fabian Schaub

Der Autor

Fabian Schaub

Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung. Bildet Coaches für kindheitliche Prägungsmuster aus. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte

Beziehung neu lernen

Du weißt, was du sagen willst. Und schluckst es trotzdem herunter.

Oder du hältst es so lange zurück, bis es herausbricht, und hast danach ein schlechtes Gewissen. Dahinter steckt ein kindheitliches Prägungsmuster aus deinen ersten sieben Lebensjahren. In Beziehung neu lernen übst du in echten Situationen, auszusprechen, was in dir los ist, und dabei im Kontakt zu bleiben.

Übungen ab dem ersten Tag, jede Woche ein Live-Call, in der ersten Woche ein persönliches Gespräch mit einer Wegbegleiterin. Einstieg jederzeit.

Noch nicht sicher, ob das zu dir passt? Der Charaktertest ist kostenfrei und dauert rund acht Minuten.

Weiterlesen